Liebe Freundinnen und Freunde,

die Auseinandersetzungen um die Hilfe für Geflüchtete haben auch eine neue Solidarität entstehen lassen – von unten. Dieses Engagement gegen Kaltland wird bleiben und die Politik verändern, glaubt nicht nur die Linke. Und ich habe es selbst erlebt, wie auch wieder sehr viele junge Menschen nicht mehr zusehen wollten, wie Populisten versuchen, politisches Kapital aus dem Elend der Flüchtlinge zu ziehen.
In mehreren Gymnasien war ich eigeladen und durfte zu meiner großen Freude höchst engagierte SchülerInnen erleben, die ihr Mitgefühl entdeckt haben und sich von den Kleinmütigen nicht einlullen lassen wollten.
Beim linken Bündnis Blockupy hieß es, man habe 2015 » eine rasante Intensivierung der Kämpfe von Migranten und Geflüchteten für ihr Recht auf Bewegungsfreiheit« erlebt. »Quer durch Europa entwickeln sich neue Aktivitäten grenzenloser und praktischer Solidarität. Sie zeigen uns, dass die Kämpfe für ein Europa von unten weitergehen«.
Für viele Menschen hat sich der Blick auf das Weltgeschehen verändert.
Und viele haben dann eben auch ohne Zögern geholfen, sind ihrer Herzlichkeit gefolgt, einer Herzlichkeit, die nicht erst eine Ideologie oder die sogenannte realpolitische Vernunft befragen muss, bevor sie sich aus ihrem selbsternannten realistischen Käfig befreit.
Wenn vor Euch auf der Straße jemand zusammenbricht, fragt Ihr dann erst, ob dieser Mensch Ausländer ist oder Deutscher, Christ oder Moslem, Armer oder Reicher – Ihr helft.
Oder Ihr seid durch Ideologien verblendet, verhärtet und in abstrakten Denkgebäuden gefangen. Diese Erfahrung der Hilfsbereitschaft, des gemeinsamen Helfens wird unsere Gesellschaft im positiven Sinne einer Bewegung von unten verändern.
Und zwar ganz anders, als es sich die Hetzer vom rechten Rand ausmalen.
Liebe Freunde,
das wünsche ich uns allen fürs neue Jahr:
dass wir weiter mit dem Herzen denken.
https://www.youtube.com/watch?v=4P7oKFlH0o4

Liebe Freundinnen und Freunde,

leider musste ich wieder einige unsägliche Kommentare löschen, weil ihr unverhohlener Rassismus von mir nicht hinnehmbar ist.
Interessant ist, dass diejenigen, die am lautesten gegen die sogenannte „Lügenpresse“ brüllen, sich um so bereitwilliger offensichtlichster Lügen im Netz bedienen.
Während diese selbsternannten Retter des Christentums vom wohligen Heim aus den starken Mann spielen und alle Moslems als kinderfressende und vergewaltigende Räuberbanden dämonisieren, ertrinken täglich hunderte von Mitmenschen. Millionen Flüchtlinge, Vertriebene, Leidende, Gepeinigte und werden gedemütigt und von Menschen, wie diesen NETZbeschmutzern, auch noch mit verbalem Dreck beworfen.

Aber – und das ist viel wichtiger als die Parolen der christlichen Hassprediger – Millionen sind bereit zu helfen. Statt zu brüllen und zu hetzen setzen sie sich ein für die Hilflosen und Notleidenden.
Anstatt arrogant zu sein sind sie warmherzig.
Anstatt in geschlossenen Weltbildern zu erstarren, denken sie mit dem Herzen.
Sie sind die Mehrheit und das soll meine Bitte fürs neue Jahr sein:
Lasst uns zusammen eine neue Wirklichkeit schaffen.
Questa nuova realtà!

Freunde rücken wir zusammen,
denn es züngeln schon die Flammen
und die Dummheit macht sich wieder einmal breit.
Lasst uns miteinander reden
und umarmen wir jetzt jeden,
der uns braucht in dieser bitterkalten Zeit.

https://www.youtube.com/watch?v=PA6tWxfemIk

Weihnachten, Deutschland, 2015:

Im sachsen-anhaltischen Halle ist ein Mann aus Nigeria Opfer einer rassistischen Attacke geworden. Wie der MDR meldet, wurde er am zweiten Weihnachtsfeiertag von einem Angreifer zuerst beleidigt und dann mit einem Stock geschlagen.
Auf eine Flüchtlingsunterkunft im sächsischen Schlettau ist in der Nacht zum Samstag ein Brandanschlag verübt worden.Wie die »Freie Presse« mitteilte, schleuderten Rechtsradikale mehrere Molotow-Cocktails auf das Gebäude.
Im sächsischen Meerane ist zudem auf einen Flüchtlingshelfer ein Anschlag verübt worden. Der Mann sagte dem Blatt, er sei in den vergangenen Monaten aufgrund seines Engagements für die Geflüchteten mehrfach beschimpft und beleidigt worden. Auch habe er bereits zwei Morddrohungen erhalten.
Die Zahl der rassistischen Gewalttaten in der Bundesrepublik steigt seit Jahren an. Im Jahr 2015 wurden bis einschließlich September laut Angaben des Bundesinnenministeriums 389 Gewalttaten aus rassistischen Motiven mit 300 Verletzten registriert. Statistisch gesehen wurde in diesem Jahr also jeden Tag mindestens ein Mensch Opfer von fremdenfeindlicher Gewalt.
Liebe Freunde,
das sind Meldungen , die jedem Demokraten die Schamesröte ins Gesicht treiben müssen.
Unerträgliche Nachrichten. Und es wird immer schlimmer.
Terror-Anschläge von Menschen, die während der Weihnachtstage unsere christliche Kultur gegen „Überfremdung“ verteidigen wollen.
Anschläge von Feiglingen, die fast immer in der Überzahl Schwächere prügeln oder feige und heimtückisch zündeln.
Kultur, die jene Bewahrer des Abendlandes zu verteidigen vorgeben, haben sie noch nie auch nur im Ansatz verstanden.
Wir dürfen hier nicht mehr zusehen!

Mein Lied „Vaterland“ ist 1979 entstanden.
Zwar gibt es heute keinen Jugendlichen mehr, dessen Vater bei den Nazis im Widerstand war, aber ich glaube man kann dieses Lied durchaus auch symbolisch in die Jetztzeit hineintragen.
https://www.youtube.com/watch?v=RR66muNSXB0

Liebe Freundinnen und Freunde,

ich danke euch, dass ihr meinen letzten Beitrag so zahlreich verbreitet habt.
Und es war für mich sehr interessant zu erfahren, wie manche Menschen auf eine Meldung wie diese reagieren, die einem doch eigentlich das Herz öffnen müsste.
Aber wem mutige Musliminnen nicht in das eigene enge und verängstigte Weltbild passen, der muss sich natürlich alles mögliche einfallen lassen, um die Geschichte zur Lügengeschichte werden zu lassen.
Vermutlich in erster Linie all jene, die nur all zu gerne zu glauben bereit sind, wenn irgendwo im Netz von Moslems berichtet wird, die deutsche kleine Kinder essen.
Es schmerzt, lesen zu müssen, wie einige Menschen sich so in ihr nationalistisches Schneckenhaus verzogen haben, dass nichts mitfühlend menschliches sie erreichen kann. Ihre Angst und ihr Misstrauen hat ihnen die Sicht auf die Welt geschwärzt, als hätten sie Tag und Nacht eine dunkle Brille aufgesetzt, als sei ihnen auf die Stirn geschrieben: ich will mich nicht verändern, ich will mich nicht öffnen, ich will mich nicht spüren.
Und wenn feige Nazibanden Unterkünfte brandschatzen werden wir uns ihnen geschlossen entgegenstellen: Nicht in unserem Namen, ihr Mörder, eure Zeit ist vorbei, eure Ideologie ist verfault im Mülleimer der Geschichte.
Denn – und das ist die viel wichtigere Botschaft heute und wer will kann es gerne als Weihnachtsbotschaft sehen:
Das Wunder dieses Jahres war und bleibt für mich die „Willkommenskultur“: Millionen Menschen öffnen ihr Herz und helfen den Ärmsten, Notleidenden, Flüchtenden. Das ist wichtiger und ja – wenn man so will – weihnachtlicher als der altbewährte Kaufrausch zur Weihnachtszeit.
Mag Pegida noch so zetern und hetzen – wir lassen uns von Rassisten nicht die Welt verdunkeln.
https://www.youtube.com/watch?v=tGTju-S6U-I

Liebe Freundinnen und Freunde,

bei einem Angriff der islamistischen al-Shabaab-Miliz auf einen Bus im Nordosten Kenias haben die Angreifer die Passagiere des Busses aufgefordert, sich nach Christen und Muslimen aufzuteilen, um die Christen anschließend zu töten. Die Muslime aber weigerten sich, die Christen auszuliefern, sagte der kenianische Innenminister Joseph Nkaissery. So steht es heute in der Süddeutschen Zeitung.
Was für eine wunderschöne Nachricht die ich sofort mit euch allen teilenmöchte.
CNN zufolge waren etwa 100 Menschen in dem Bus. Einem Zeugen zufolge sollen die Muslime den Christen geholfen haben, sich auf dem Dach und im Bus zu verstecken. Christlichen Frauen seien Hijabs, also muslimische Verschleierungen, gegeben worden, damit die Terroristen sie für Musliminnen halten. Die Passagiere des Busses waren CNN zufolge mehrheitlich Frauen. Sie sollen die Terroristen aufgefordert haben, sie entweder alle zu töten oder zu verschwinden. Die Terroristen zogen sich daraufhin zurück.
„Diese Muslime haben eine sehr wichtige Botschaft der Einheit ausgesandt, indem sie sagten, wir sind alle Kenianer und wir können nicht geteilt werden vom Menschen“, sagte Nkaissery.
So ist es, ja, wir können nicht geteilt werden vom Menschsein und meine aufrichtige Bewunderung gilt diesen 100 Menschen. Von ihnen dürfen wir lernen.
„Mensch unter Menschen zu sein und es auch immer zu bleiben, das ist der SINN des Lebens, das ist seine AUFGABE.“ schreibt Fjodor Michailowitsch Dostojewski.
Verbreitet diese Nachricht an alle jene, die uns Menschen teilen wollen in sogenannte Fremde, Andersartige und Feinde:
Schützen wir bitte ebenso mutig die Muslime vor den baseballschlägerschwingenden Feiglingen, vor den brandstiftenden Rassisten, vor all jenen , die unsere „christliche Kultur“ bewahren wollen und dabei so wenig Ahnung haben von Kultur, wie ein Rassist vom Menschsein.

Liebe Freundinnen und Freunde,

da hat man nun seine Buben jahrelang geknuddelt und mit ihnen gespielt, hat ihnen Märchen vorgelesen und unzählige Geschichten erfunden, hat sich auf Spielplätzen und in Freizeitparks rumgetrieben und jetzt sind sie plötzlich groß, sprechen ein paar Oktaven tiefer und dann verlassen sie das Haus.
Keine Zeit in meinem Leben verging im Nachhinein gesehen so schnell.
Vielleicht war ja auch keine Zeit so intensiv….
Jetzt seid ihr schon groß und bald aus dem Haus,
die Kindheit ist so schnell vergangen.
Für die Eltern ist deshalb nicht alles aus,
die haben noch andre Verlangen.
Obwohl, ich hätte so manchen Moment
liebend gerne fester gehalten
doch man kann sich die Flüchtigkeit der Zeit
nicht nach eigenem Willen gestalten.
Was kann ich euch mitgeben auf diesen Weg
den ihr nun ganz alleine bestreitet?
Die Hoffnung, dass euch mit jedem Schritt
stets meine Liebe begleitet.
Ich hab’s nun mal nicht so mit der Moral
wann sind Kinder gut, wann böse?
Kinder sind schuldlos, haltet sie frei
vom Moralismusgetöse.
Ihr seid ein Wunder. Wie jeder Mensch
geboren aus dem absolut Schönen.
Und die Welt sähe so viel friedlicher aus,
könnt man sich daran gewöhnen.
Ich war nie perfekt. Wie könnte ich auch.
Ihr kennt meine Kunst zu scheitern.
Und perfekte Eltern konnten uns doch
im besten Fall nur erheitern.
Was hab ich falsch, was richtig gemacht?
Ihr wart mir doch nur geliehen.
Ich rede nicht gern um den heißen Brei:
ich wollte euch nie erziehen.
Erziehen zu was? Zum Ehrgeiz, zur Gier?
Zum Chef im richtigen Lager?
Ihr wisst es, ich habe ein grosses Herz
für Träumer und Versager.
Einen einzigen, großen Wunsch hätte ich noch,
da seid mit mir bitte konform:
egal was sie dir versprechen, mein Kind,
trag nie eine Uniform.
Es wird nicht leicht. Die Zeiten sind hart.
Es knarzt mächtig im Getriebe.
Ich hoffe euch trägt auch durch Not und Pein
bedingungslos meine Liebe.
Das ist alles was ich verschenken kann,
keine prall gefüllten Konten.
Und Augenblicke der Schönheit, da wir
zusammen uns glücklich sonnten.
Sorgt euch nur nicht um den Vater, nun kommt
euer ganz eigenes Leben.
Ich habe gelernt – und ich dank’ euch dafür –
ohne zu wollen zu geben.

Liebe Freundinnen und Freunde,

es waren aufregende, liebevolle und intensive Konzerte in diesem Herbst und ich habe mich gefreut, dass Ihr so zahlreich dabei wart und – wie ich es am Ende des Konzertes oft sagte – ihr über 3 Stunden meinen Gedichten zugehört habt.
Was für ein Geschenk.
All meinen Mitarbeitern ein herzliches Dankeschön und natürlich meinen grandiosen MusikerInnen.
Fany, Jo, Jens, Wolfgang und Cynthia, die sich so großartig entwickelt hat in diesen Monaten – es ist eine Freude mit Euch musizieren zu dürfen! Um so mehr, als wir ja ab Februar wieder zusammen auf der Bühne stehen werden und ohne warum weiterhin die Revolution ausrufen werden!

Wer noch nicht weiß, was er lesen könnte in den nächsten Wochen, dem möchte ich zwei Bücher empfehlen, deren Autoren ich persönlich kennen lernen konnte und deren Werke mich sehr inspiriert haben:

„Wir sind Zeugen, wie ein ganzer Planet, der vier Milliarden Jahre für seine Entwicklung brauchte, in einer globalen Wirtschaftsmaschinerie verheizt wird, die Unmengen von Gütern und zugleich Unmengen von Müll produziert, irrsinnigen Reichtum und massenhaftes Elend, permanente Überarbeitung und sinnlosen Leerlauf“, schreibt der Journalist und Dramaturg Fabian Scheidler in seinem Buch „Das Ende der Megamaschine. Geschichte einer scheiternden Zivilisation“. In einer spannenden Spurensuche durch fünf Jahrtausende geht der Autor den Wurzeln dieses organisierten Wahnsinns nach – eine Geschichte einer Zivilisation, die im Scheitern begriffen ist.
Doch dieses Scheitern birgt auch Hoffnung: Weltweit haben sich Millionen von Menschen auf den Weg gemacht, um in den wachsenden Rissen der Megamaschine etwas Neues aufzubauen, eine Lebensweise und Wirtschaft, die dem Gemeinwohl verpflichtet ist und nicht dem Profit, die auf Kooperation mit der Natur setzt und nicht auf Beherrschung und Ausbeutung. Auch davon erzählt dieses Buch.

Der Jurist und zahlreich ausgezeichnete Schriftsteller Wolfgang Bittner, der auch immer wieder für mein Webmagazin „Hinter den Schlagzeilen“ schreibt, hat ein akribisch recherchiertes, kluges und wichtiges Buch geschrieben zur Krise in der Ukraine. Chronologisch, vom Beginn der Maidan-Ereignisse bis zu den Entwicklungen im September 2015, wird die verhängnisvolle Einflussnahme der US-amerikanischen Regierung auf die zentralen Medien und die Politik Europas geschildert und analysiert.
Büttner schreibt am Ende seines Buches: in Shakespeares Drama King Lear sagt der Graf Gloucester: „Das ist die Seuche dieser Zeit: Verrückte führen Blinde. Und die Verrückten führen heute die Menschheit auf einen Abgrund zu. Die Grenze zum Wahnsinn ist längst überschritten, wenn es in einem CSIS-Report heißt, begrenzte taktische Atomschläge seien möglich, ohne die „amerikanische Heimat“ zu gefährden.“ (CSIS ist eine Denkfabrik in Washington, D.C., mit Fokus auf die Außenpolitik)

Bündeln wir alle Kräfte um uns gegen diesen Wahnsinn zu wehren!

Wolfgang Bittner
Die Eroberung Europas durch die USA
Zur Krise in der Ukraine
Westend Verlag
ISBN:978-3-86489-120-5

Fabian Scheidler
Das Ende der Megamaschine
Geschichte einer scheiternden Zivilisation
Promedia Verlag Wien
ISBN 978-3-85371-384-6