Liebe Freundinnen und Freunde,

ich habe hier schon oft bewundernd über meinen leider verstorbenen Freund Arno Gruen geschrieben. Seine Weisheit hat mich bereichert und die Gespräche, die ich in den letzten Jahren mit ihm führen durfte, bleiben mir unvergessen. Was für einen Witz, welchen Elan hatte dieser über 90jährige große Denker!
Nun wird uns noch ein letztes Büchlein von ihm geschenkt, das er kurz vor seinem Tod noch fertig gestellt hatte:
Wider die kalte Vernunft.
Es ist ein Blick auf die Menschheitsgeschichte, aber völlig anders als der übliche Versuch, die Entwicklung der Menschheit ausschließlich aus unserem Verständnis der heutigen Realität heraus zu begreifen.
Gruen schreibt darüber, dass unsere Vorstellungen über das, was in den Köpfen unserer Vorfahren vorging, auf Mutmaßungen von Archäologen und Paläontologen beruhen und dass diese Hypothesen nicht mit der Realität der frühen Menschen übereinstimmen müssen.
Viele sehen die menschliche Evolution als eine Abfolge von Menschenarten, wobei die eine die andere auslöschte. Das zentrale Verhaltensmuster wäre demnach der Wettkampf um Ressourcen.
Womöglich aber war das menschliche Verhalten über Tausende von Jahren hinweg recht ausgeglichen, was hieße, dass Kampf und Rivalität oder Wettbewerb als Kennzeichen zwischenmenschlicher Umgangsformen eine relativ neuartige Entwicklung darstellen, die vor zehntausend Jahren begann.
„Wir werden nicht nur durch soziologische und ökonomische Umweltfaktoren geprägt, der Mensch entwickelt sich, wie Erich Fromm es in einem Streitgespräch mit Hebert Marcuse formulierte. Und das bedeutet, dass wir durch die früheste Mutter-Kind-Beziehung unser inneres Wesen entwickeln.“
Das ist das Hauptthema dieses großartigen Buches.
Die Geschichte der Menschheit ist nur zu verstehen, wenn wir die Entwicklung der Mutter-Kind-Bindung berücksichtigen. Empathie und Kooperation bilden den Kern dieser Entwicklungsgeschichte. „Die Kenntnis ist wichtig, dass das eigene, verdrängte Empathische wieder bewusst gemacht, und da, wo Kinder involviert sind, die Beziehung zu ihnen wieder vertieft werden kann. Leider wurden diese Grundsätze des menschlichen Verhaltens sowie ihre Entstehung, Entdeckung und Bestimmung bis heute versäumt.“
Um zu verstehen, was der Mensch im Laufe seiner Geschichte erreicht oder versäumt hat, müssen Empathie und Kooperation als bedeutsame Faktoren berücksichtigt werden. „So muss die Entwicklung des Gehorsams als Merkmal der sozialen Entwicklung erkannt werden, weil der Gehorsam sich wohl erst zu einem späten Zeitpunkt der menschlichen Evolution herausgebildet haben muss, als Herrschaft, Aggression und Besitz das gesellschaftliche Leben änderten.“
Bei den amerikanischen Yahi-Indianern waren Kinder angenommen und willkommen. „Ihr Selbstbewusstsein basierte nicht auf dem Bedürfnis, Stärke und Furchtlosigkeit zu beweisen. Im Gegenteil: sie hatten eine Würde, die nicht abhängig war von Identifikationen mit einer Autorität.“
Unterwerfung hätte für sie zu einem Verlust der eigenen Identität geführt.
Ich habe in meinem Lied an die Kinder geschrieben:
„Ich wollte euch nie erziehen.
Erziehen zu was? Zum Ehrgeiz, zur Gier,
zum Chef im richtigen Lager?
Ihr wisst es, ich habe ein großes Herz
für Träumer und Versager…“
„Unser Leben steht unter der Doktrin des Gehorsams….Gehorsam führt zu einem Selbstbild im Sinne der dominanten linken Gehirnhälfte, die Erfahrungen nicht integriert, sondern abspaltet“, schreibt Arno Gruen.
Wir leben heute in einer Welt, in der finanzielle Instrumente und Gesetze eine Markt-Ideologie möglich machen, welche Regierungsentscheidungen und das Schicksal ganzer Bevölkerungen bestimmen.
„In dem Moment, wenn sich eine Wirtschaft auf finanzielle Operationen reduziert, die keine Beziehung zu wirklichen Produktionsvorgängen haben, fängt sie an, sich auf Abstraktionen zu stützen und jeglichen Bezug zur Wirklichkeit zu verlieren.“
Warum eigentlich gibt es so wenig Widerstand gegen die ökonomische Ungleichheit und die Dominanz von Konzernen und Banken?
Gruen gibt uns die Antwort:
„… dass diese Irrealität ganz allgemein als Realität akzeptiert wird. Dieser Wahnsinn kommt zustande, weil der „freie Markt“ durch einen tiefen Glauben an Profit gekettet ist. Beide, der freie Markt und der Glaube an Profit sind Abstraktionen, die nicht mit der Wirklichkeit unserer empathischen Wahrnehmungen unserer Gesamtlage im Einklang sind.Sie beruhen auf einer Reduktion der Wahrnehmung, die das Wohl der Menschen ausser Acht lässt….Es ist diese Reduktion, die den ganzen Bereich des Leidens und Schmerzens negiert.“
So viel zum Thema Flüchtlingspolitik.
Besorgt euch dieses wichtige Buch. Es wird euch bereichern.

Arno Gruen
Wider die kalte Vernunft
Klett-Cotta

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Liebe Freundinnen und Freunde,

ich wurde mehrfach gebeten, meinen heutigen kurzen Redebeitrag in München zur Kundgebung und Demo gegen die sogenannte SIKO – die NATO- Sicherheitskonferenz – ins Netz zu stellen:

Zum selben Zeitpunkt, als Frau Merkel letzte Woche die blutverschmierten Hände von Recep Tayyip Erdoğan schüttelte und ein Ende des Bombardements der russischen Luftwaffe gegen die Zivilbevölkerung von Aleppo forderte, bombardierte die türkische Armee kurdische Städte – hunderte ZivilistInnen starben bei Kriegsverbrechen und Massakern allein in den letzten Monaten in der Türkei. Sie teilen die Opfer auf in nützliche und störende – je nachdem, ob sie den deutschen Interessen gerade nutzen oder ob sie als Kollateralschaden in Kauf genommen werden.
Wenn die deutsche Bundesregierung zu diesen Verbrechen ihres Bündnispartners schweigt macht sie sich mitschuldig: denn Menschenrechte sind unteilbar! Und Kriegsverbrecher wie Donald Rumsfeld oder Recep Tayyip Erdoğan gehören vor Gericht gestellt. Das haben wir hier immer klar gestellt.
Europa taumelt dem Abgrund entgegen und droht faschistisch zu werden, das spüren wir alle. Und es braucht jetzt eine einige antifaschistische Linke, die sich dem drohenden Putsch entgegenstellt. Wir können gerne unterschiedlicher Meinung sein, das ist auch wichtig, aber wir müssen aufhören uns zu zerfleischen, wie wir das Ende der 70er schmerzlich miterleben mussten.
In einer Sache müssen wir an einem Strang ziehen:
kein Fußbreit mehr den Rassisten und Faschisten, kein Zugeständnis , kein Entgegenkommen aus taktischen Gründen.
Wir müssen aufpassen, dass das Meinungsklima in Deutschland nicht dermaßen vergiftet wird, dass sich die Menschlichkeit gegenüber der Unmenschlichkeit rechtfertigen muss – wie es heute schon teilweise der Fall ist, wenn Pressezyniker gegen „Gutmenschen“ und „Versteher“ geifern. Wenn man keinen Artikel mehr posten kann, der um Verständnis für Flüchtlinge wirbt, ohne dass einen Think-Tank-geschulte Rechts- und Rechthaber belehren, Mitgefühl ohne ihre sogenannte Vernunft sei doch eher schädlich. Und ohne dass braune Pöbler einen auf Facebook kampagnenartig beschimpfen und bedrohen. Als seien einfache ethische Grundsätze – Menschen aller Hautfarben sind von gleichem Wert und Hilfsbedürftigen muss man helfen – nur überholte Marotten von ein paar „Alt-68ern“. Mehr und mehr kann ich die Gefühlslage Thomas Manns nachvollziehen, der im Exil seine „Trauer über den Abfall der Epoche vom Humanen“ zum Ausdruck brachte.
Zeigen wir den Waffenhändlern und Lobbyisten und Kriegstreibern im Bayrischen Hof, deutlich, laut und unmissverständlich, dass sie nicht in unsere Namen handeln.

Liebe Freundinnen und Freunde

Gemeinsam mit Mitgliedern der Gesellschaft Kultur des Friedens (GKF) werden wir morgen, Samstag, den 13. Februar 2016, an den Demonstrationen, Kundgebungen und Konferenzen der Friedensbewegung in München, anlässlich der sogenannten NATO-Sicherheitskonferenz (SIKO), mitwirken.
Eine jetzt ausgehandelte Feuerpause unter der Federführung der USA und Russland soll humanitäre Hilfe für die Menschen in Syrien ermöglichen und die ausgesetzten Friedensverhandlungen zwischen den Konflikt- und Kriegsparteien in Genf befördern.
Die Friedensbewegung fordert den Stopp aller Waffenlieferungen in diese Kriegsregion als Voraussetzung für einen dauerhaften Frieden.
Dazu findet nach der Umzingelung des Tagungsortes der SIKO eine internationale Friedenskonferenz zum Thema Krieg, Armut, Flucht im Münchener Gewerkschaftshaus statt.

Wir erleben eine dramatische Zunahme von kriegerischen
Auseinandersetzungen wie z.B. in Syrien, Libyen, Irak, Türkei,
Afghanistan, Jemen. Mehr als 60 Millionen Flüchtlinge weltweit sind Opfer von Krisen und Kriegen, viele darunter befeuert durch Rüstungsexporte und Kriegseinsätze auch von den NATO-Staaten. Kriege um Ressourcen – auch um den Rohstoff Öl – haben blutige Spuren vor allem im Nahen und Mittleren Osten, sowie in den Nordafrikanischen Ländern gezogen.
Weltweite dramatische Klimaveränderungen, verursacht auch durch neoliberale Globalisierung, haben beim UNO-Klimagipfel in Paris alle Staaten gezwungen, den Ausstieg aus den fossilen Energieträgern wie Kohle und Öl zu vereinbaren.
Die Lebensgrundlagen in vielen Teilen der Welt sind zerstört und werden ohne grundlegende Änderung der Weltwirtschaftsordnung noch mehr Menschen zur Flucht treiben. Der seit 2001 ausgerufene sogenannte „Krieg gegen den Terror“ hat laut der internationalen Ärzteorganisation IPPNW allein in den Ländern Irak, Afghanistan und Pakistan mindestens 1,3 Millionen Menschen das Leben gekostet.
Nun werden statt Fluchtursachen Flüchtlinge militärisch bekämpft, so z.B. durch geplante Militäreinsätze im Mittelmeer.
Die existierende Weltwirtschaftsordnung trägt zu weltweiter Armut und Perspektivlosigkeit bei, ein Nährboden für Terrorismus. Religiöser Fanatismus und Gewalt greifen um sich, wie wir leidvoll in Paris, Istanbul und in anderen Städten erleben mussten. Deshalb setzen wir uns für eine solidarische Welthandelsordnung, für eine ökologische und aktive Friedenspolitik ein. Wir brauchen eine Politik die sich an
den (Über)-Lebensinteressen aller Menschen orientiert.
Mit einem gigantischen Rüstungsprogramm von 130 Milliarden Euro will Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen die Bundeswehr hochrüsten. Noch höhere Rüstungsausgaben, mehr und bessere Waffensysteme für die Bundeswehr heißt nichts anderes als mehr Krieg.
Das werden wir nicht widerstandslos hinnehmen
Kommt zur Demo in München und zeigen wir den Herrschaften, dass wir ihre Kriegspolitik nicht unterstützen.
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http://sicherheitskonferenz.de

Liebe Freundinnen und Freunde!

ich bin erschüttert.
Roger Willemsen ist tot.Er ist im Alter von nur 60 Jahren gestorben.
Was hatte ich für wunderbare Begegnungen mit diesem warmherzigen, klugen, gebildeten Menschen.
Als kurz nach meiner Haftentlassung die meisten Journalisten mit der moralischen Keule auf mich eindroschen, hat er mich, ebenso wie Dieter Hildebrandt, ohne Häme aufgefangen und mir ein Forum in seiner Sendung geboten.
Auf der Trauerfeier für Dieter hielt er eine Rede, die allen die Tränen in die Augen trieb. Witzig und scharfzüngig, aber eben auch voll liebevoller Anteilnahme.
Ein verlässlicher Freund.
Kein deutscher Intellektueller hat diese Gratwanderung zwischen Empathie und scharfzüngiger, stets fundierter Kritik so beherrscht wie er.
Uns bleiben nun seine großartigen Bücher.
Wir hätten Dich doch gerade in diesen Zeiten, wo Mitgefühl immer mehr als Schwäche gebrandmarkt wird, so dringend gebraucht Roger.
Wir vermissen dich.

POLITISCHER ASCHERMITTWOCH DER LIEDERMACHER IN FÜRSTENFELDBRUCK

POLITISCHER ASCHERMITTWOCH DER LIEDERMACHER IN FÜRSTENFELDBRUCK

Ein aktueller Veranstaltungshinweis: 10.2.2016 Stadtsaal Veranstaltungsforum Fürstenfeld, Fürstenfeldbruck: Politischer Aschermittwoch der Liedermacher mit Konstantin Wecker, Cynthia Nickschas, Roger Stein, Prinz Chaos II. und Christoph Weiherer – es gibt noch Karten!

http://www.fuerstenfeld.de/index.php?page_id=10&idK=824&idE=1316