Liebe Freundinnen und Freunde,

Caruso und Björling, Callas und Tebaldi und tagaus, tagein der verführerische Schmelz der Tenorstimme meines Vaters, sein unschuldiges, fast kindliches Timbre – all diese Klänge verzauberten unsere Wohnung, ließen sie über die Dächer der Stadt hinausfliegen in italienische Opernhäuser und Palazzi. Ich lernte mit Verdi zu hoffen und mit Puccini zu weinen, ich starb tausend Tode mit Manon und träumte, mit dem Tode ringend, von einer letzten Reise mit Mimi nach Paris.
Es herrschte ein reges Frauensterben in den Belcanto-Dramen jener Zeit,und mir, dem die Oper das einzige Tor zur Wirklichkeit war, schienen Liebe und Tod untrennbar verbunden.
Ich lebte Mimi und mein Pathos ließ sich durch keine musikalische Leitung zügeln. Böse Zungen sagen mir das ja heute noch nach…:)
Ich ließ mich von Puccini selbst leiten und von der Liebe, die seinen Melodien und musikalischen Progressionen entströmt. Und damals (wie heute) war ich mir sicher: Wer noch nie bei Puccini geweint hat, kann nicht zur menschlichen Spezies gezählt werden.
Mit dem Verlust der engelsgleichen Knabenstimme verlor ich die künstlerische Selbstverständlichkeit und ich der gefallene Engel sank mit seiner Stimme ein paar Oktaven tiefer in die Niederungen der Fleischlichkeit.
So in etwa hab ich meine musikalische Kindheit in meiner „Kunst des Scheiterns“ beschrieben.
Mein Vater und ich verehrten glühend einen schwedischen Tenor, der mich bis heute mit der unvergleichlichen Anmut seiner Stimme und mit seiner atemberaubenden Musikalität begleitet: Jussi Björling.
Für mich gibt es keine großartigere männliche Tenorstimme und Gestaltungskraft wie diesen früh verstorbenen schwedischen Künstler.
Björling hat wundervolle Puccini-Arien gesungen, aber hier möchte ich euch ein Lied von Ludwig van Beethoven vorstellen: Adelaide.
Es gibt tolle Aufnahmen von Fritz Wunderlich und Peter Anders – aber für mich bleibt Björlings Gestaltung unübertroffen. Und ja, ich geb es zu, ich muss jedes Mal noch ein Tränchen verdrücken, wenn ich das Meisterwerk höre.
Und wohlgemerkt – ich schreibe das nicht als Musikwissenschaftler, der ich auch gar nicht bin, sondern einfach nur als glühender Fan:)
https://www.youtube.com/watch?v=jVlOeHOugIA

Liebe Freundinnen und Freunde,

das türkische Außenministerium hat im Streit über die NDR-Satiresendung „extra3“ offenbar vom deutschen Botschafter gefordert, dass der Beitrag nicht mehr gezeigt wird.
Die große Koalition schweigt, obwohl der Diplomat sich in einem längeren Gespräch für die Pressefreiheit rechtfertigen musste! Aber man hat ja einen feinen Deal mit diesem feinen Herrn.
Die linke Aussenpolitikerin Sevim Dagdelen schreibt: „Unsere Grundrechte dürfen nicht auf dem Altar des schäbigen EU-Türkei-Deals geopfert werden“ und trifft damit den Nagel auf den Kopf.
In Anlehnung an Trappatonis legendäres „Was erlauben Strunz“ möchte man rufen: „Was erlauben Erdogan, dieser Frauen verachtende, Kurden abschlachtende, mit den Mördern des IS dealende, die Meinungsfreiheit mit Stiefeln tretende Autokrat?“
Ihr Damen und Herren Politiker der großen Koalition, beenden Sie Ihr Schweigen und stellen Sie sich gefälligst schützend vor die Freiheit der Presse.
Ihr Schweigen ist ein Skandal.
Erdowi, Erdowo, Erdogan – ich habe fertig!
https://www.youtube.com/watch?v=R2e2yHjc_mc

Liebe Freunde und Freundinnen,

in seinem Vorwort zu einem Taschenbuch mit einer Gedichtauswahl, schreibt Erich Kästner:
„Dieses Taschenbuch enthält Arbeiten aus etwa dreißig Jahren.Die Auswahl reicht von Anklagen gegen die Nachlassverwalter des Ersten bis zu Warnungen vor den Formgestaltern des Dritten Weltkrieges. Und sie reicht vom Elan eines jungen Menschen, der an die Macht des vernünftigen Wortes glaubte, bis zur Skepsis eines älteren Mannes, dem sein Kinderglauben abhanden kam….
Man altert nicht von ungefähr. Man rennt nicht ungestraft ein Leben lang mit demselben Kopf gegen dieselben Wände. Immer wieder kommen Staatsmänner mit denselben Farbtöpfen des Wegs und erklären, sie seien die neuen Baumeister. Und immer wieder sind es nur Anstreicher. Die Farben wechseln und die Wände bleiben. Und der Kopf tut manchmal weh. Die Feindschaften wechseln und die Feindschaft bleibt. Die Dummheiten wechseln und die Dummheit bleibt…“
Im Jahre 1971 korrigiert Kästner sein Vorwort von 1956:
„Vor fünfzehn Jahren schrieb ich: „Die Dummheiten wechseln und die Dummheit bleibt.“ Ich muss mich heute korrigieren. Auch die Dummheiten sind die alten geblieben.“
Lieber Erich Kästner, ich muss dir hierin leider auch 2016 zustimmen.
Aber vor allem will ich mich für einen Satz aus diesem Text bedanken, der mich, wie so viele deiner unvergleichlichen Gedichte, immer wieder ermutigt: „Der Dichter weiß nun, dass Dummheit unbelehrbar und Bosheit unbekehrbar ist. Das stimmt ihn resigniert. Er weiß aber auch, dass es viele Einzelne gibt, denen das zusammengehörige Wort das Herz stärkt und den Rücken steift, weil sie plötzlich spüren, dass sie nicht allein sind. Und deswegen resigniert er nicht.“
Ja, lieber Erich, ja, liebe Freunde, deswegen resigniere ich nicht.

Liebe Freundinnen und Freunde,

vor einem Jahr kam nach einem Konzert ein junger Künstler in meine Garderobe und fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, seine Ausstellung in Salzburg zu besuchen. Meine Lieder seien nämlich der Soundtrack zu den meisten seiner Bilder gewesen – und das machte mich neugierig.
Also fuhr ich mit meinem Sohn Tamino, der schon immer gerne zeichnete, nach Salzburg und wir waren überwältigt von der Wucht der realistisch-surrealistischen Bildsprache.
Der 27jährige Toninho Dingl ist studierter Geograph und als Maler Autodidakt. Ein warmherziger, engagierter und politisch kluger Künstler, der mit seinen digitalen Zeichnungen und Gemälden vieles von dem thematisiert, was mich in meinen Liedern auch bewegt.
Man bekommt auf seiner Facebook Seite (@Toninho Dingl) und auf seiner Website „toninho.at“ einen schönen Eindruck seines Werks und seiner Technik.
Nun hat der junge Künstler meinen Song „Revolution“ ins Bild gesetzt, zusammen mit Hubert Neufeld (@HTN Films), der die Verschmelzung der Musik- und Bilderwelten durch Kameraführung, Schnitt und Animation ermöglichte.
Sie haben uns – Cynthia, Jo, Fany und Wolfgang – in unserem Münchner Proberaum, dem Tonstudio Wofgang Gleixners, und auf dem Münchner Tollwood-Festival gefilmt und das Video mit zum Teil auch ganz neu, nur für diesen Song gemalten Bildern unterlegt.
Ich finde, es ist eine spannende Fusion zwischen bildender Kunst und Wort und Musik entstanden.
Wie heißt es doch im Lied:
„…und drum müssen wir uns wieder neu erdenken
uns vernetzen, uns mit uns beschenken
nicht gewaltvoll, doch gewaltig an Ideen
ohne Führer, doch zusammenstehen
niemand muss sich an Befehle binden
und so wollen wir die Welt uns neu erfinden
ohne Gier und ohne Herrschaft, ohne Zwang
werden wir zusammen EIN Gesang…“
In diesem Sinne und im Sinne Oskar Maria Grafs: Dann mach ma halt a Revolution, damit a Ruah is:)
https://www.youtube.com/watch?v=D39rJvoCqjE

Liebe Freundinnen und Freunde,

das „neue deutschland“ berichtet:
Kaum hatten sich die ersten Meldungen zu den Anschlägen in Brüssel in den sozialen Netzwerken verbreitet, reagierten auch deutsche Rechtspopulisten und Neonazis auf die Ereignisse in Belgien. Ihre Reaktionen reichen, gezeichnet von Empathielosigkeit, von Hasskommentaren gegenüber Muslimen bis hin zu Gewaltfantasien.
Zu Gewalt rief die rechte »Intiative Heimatschutz« aus Meißen auf: »Das Ding hätte ins Parlament gehört.Unter Schulz seinen Sessel«. Gemeint ist wahrscheinlich Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlamentes, mit »dem Ding« dürfte die Bombe gemeint sein.
Dass ich als Pazifist jeden Terroranschlag, von welcher Seite auch immer verurteile, versteht sich von selbst. Und ebenso, dass mir die vielen Opfer und deren Angehörige unendlich leid tun.
Es ist eine Tragödie.
Warum poste ich jetzt ein Lied aus dem Jahre 1989?
Ich fürchte mich vor denen, die dieses Leid für ihre populistischen Zwecke ausschlachten werden.
Das Lied vom „Sturmbannführer Meier“ habe ich geschrieben, nachdem ich im Unterhaus in Mainz Ernst Nonnenmacher kennen lernen durfte. Er wurde als „Asozialer und Wehrunwürdiger“ ins KZ gesteckt, die Würde sollte ihm genommen werden – aber dieser vom Schicksal schwer geprüfte und doch so warmherzige Mann ist immer ein aufrechter Antifaschist geblieben. Ich habe ihm dieses Lied gewidmet.
Es ist erschreckend, wie aktuell so ein altes Lied wieder werden kann.
Und als einer dieser, der AfD so tief verhassten Alt-68er, werde ich auch nicht aufhören uns und unseren Politikern immer wieder einige Grundsätze ins Gedächtnis zu rufen:
einschränkungslos und ohne irgendwelche Tricksereien werden wir daran festhalten, in vollem Umfang die Menschenrechte zu realisieren, wie sie in der entsprechenden UN-Charta vom 10. Dezember 1948 in insgesamt 30 Artikeln verabschiedet worden sind.
Dazu gehört das Menschenrecht auf freie Wahl seines Wohnortes und auf Asyl !!!

https://www.youtube.com/watch?v=PF6wmOl4KFA

P.S.: Ernst Nonnemachers Neffe, Frank Nonnemacher, Professor für politische Bildung in Frankfurt am Main, hat ein beeindruckendes Buch geschrieben über seinen Onkel Ernst und seinen Vater Gustav mit dem Titel:

„Du hattest es besser als ich“
Es ist erschienen im
Verlag für akademische Schriften – VAS
ISBN 978-3-88864-528-0

Ausschnitt aus der Sendung „Live am Samstag“ des ORF vom 09.09.1989 Sturmbannführer Meier [Aus: Stilles Glück, trautes Heim (1989)] „Das war aber…
YOUTUBE.COM

Liebe FreundInnen und Freunde,

„Der Pakt mit der Türkei ist ein Tag der Schande für Europa, ein Triumph der Zyniker, ein Kniefall vor den Rassisten in der EU, eine vollständige Preisgabe der angeblich europäischen Werte.“ Das schreiben Fabian Scheidler und David Goeßmann in ihrem neuen Blogbeitrag für Kontext TV. Bitte unbedingt lesen!
http://www.kontext-tv.de/…/21032…/eu-tuerkei-schande-europas

 

Liebe Freundinnen und Freunde,

so weit ist es nun also gekommen, dass sich die empathisch und ethisch Handelnden und Helfenden in unserer Gesellschaft entschuldigen müssen gegenüber den Harten, Rücksichtslosen,sogenannten realistisch Denkenden.
Mitgefühl zu haben für weinende Kinder, im Schlamm erstickende und verreckende Mitmenschen ist neuerdings ein Makel.
Ja, das haben sie erreicht, diese populistischen Handlanger einer eiskalten Wirtschaftsmaschinerie, die sich einzig durch Konkurrenz und Rivalität, erbarmungslose Härte und Leistungsfetischismus am Leben erhalten kann.
Denn darum geht es einzig und allein. Ums Geld. Um mehr Geld. Um Grundbesitz und Macht für vor allem für die, die ohnehin schon mächtig sind.
„Ungleichheit ist nicht bedauerlich, sondern höchst erfreulich. Sie ist einfach nötig“, sagte Friedrich August von Hayek, einer der Vordenker des Neoliberalismus, 1981 in einem Interview in der Wirtschaftswoche.
Konkurrenz, Ellenbogendenken, Härte, Mitleidlosigkeit, Verrohung: Über Jahrzehnte hat die etablierte Politik mit Hilfe eingebetteter Medien diese „Werte“ gezüchtet.
Die Willkommenskultur und eine solidarische Gemeinschaft demokratischer Bürger steht diesem System im Weg, ist gefährlich und unberechenbar. Liebe ist hinderlich, nur kalte und verhärtete Herzen können sich hemmungslos bereichern, nur ihnen ist Geld und Besitz wichtiger als ein friedliches Miteinander.
Schämt euch, ihr Politiker, die ihr euch so gerne hinter der sogenannten „Realpolitik“ versteckt, um eurer Unmenschlichkeit ein ethisch sauberes Antlitz zu verleihen.
Schämt euch, die ihr jetzt alle Verweise auf das Völkerrecht, das europäische Recht, auf die eigene Verfassung, ja auch auf das Strafrecht einfach hinwegwischt.
Wir dürfen und werden dieses zynische Spiel nicht mitspielen.
Es sind stets diejenigen, die uns ausbeuten wollen, die den Markt zum Naturgesetz erklären und vehement leugnen, dass Empathie und Kooperation bedeutsame Faktoren in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit waren.
Wir müssen uns und unsere Politiker wieder daran erinnern welche Grundideen den Menschenrechten zu Grunde liegen: „Die Anerkennung der angeborenen Würde und der gleichen und unveräußerlichen Rechte aller Mitglieder der Gemeinschaft der Menschen als Grundlage von Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden in der Welt.“
Wie wir eine Kultur bewerten sollten, darf nicht von ihrer technischen und organisatorischen Qualität abhängen, schreibt Arno Gruen, sondern davon, ob und wie sie Menschen menschlich macht. Also auch davon, wie eine Gesellschaft ihre schwächeren Mitglieder behandelt, ihre Kinder, ältere Menschen, die Behinderten und die chronisch Kranken. Ihre Schutzsuchenden.
Dafür lohnt es sich zu kämpfen, dafür wollen und werden wir uns stark machen.
Und das, meine Damen und Herren Politiker, nur das ist realistische Politik.

P.S:
Das Zitat über die Menschenrechte habe ich dem äusserst lesenswerten Beitrag von Georg Rammer: „Verrohung: Die Saat des Neoliberalismus“ entnommen. Nachzulesen auf „Hinter den Schlagzeilen“.