LiebeFreundinnen und Freunde

dieses Buch ist eine Streitschrift, aber kein politisches Pamphlet. Es ruft zur Herzlichkeit auf, einer Herzlichkeit, die nicht erst eine Ideologie oder die so genannte realpolitische Vernunft befragen muss, bevor sie zur Tat wird. So wichtig eine realistische Lebenseinstellung sein mag, sie darf nicht zum Käfig werden, in den wir unsere unmittelbaren Impulse, Menschen zu verstehen, zu schützen und zu helfen, einsperren lassen. Liebevolles Sprechen und Handeln muss sich ungestört von der Vorzensur vernünftelnder Machbarkeitserwägungen entfalten können.
Täglich vernehmen wir die Stimmen der „Vernünftigen“: die Obergrenze sei erreicht, die Zuwanderung müsse gestoppt werden, die Willkommenskultur sei höchst umstritten und Mitgefühl sei Schwäche. Milliarden Menschen wird ein lebenswertes Leben vorenthalten von einer kleinen Minderheit von Superreichen – und die Stimme der „Vernünftigen“ erklärt das zum Naturgesetz. Wenn das Vernunft sein soll, wird es zunehmend wichtig, die Stimme der „Unvernunft“ zu Wort kommen zu lassen, die Stimme des Herzens, damit diese nicht für immer verlorengeht.
Vielleicht kann dieses Büchlein helfen, jene zu stärken, die den Impuls zum menschlichen Handeln in sich spüren und die sich manchmal hilflos-traurig fühlen, angesichts der Erosion scheinbar selbstverständlicher Werte überall in ihrem Umfeld. Wenn dann feige Nazibanden Unterkünfte brandschatzen, wird es immer genügend von uns geben, um uns ihnen entschlossen entgegenzustellen: „Nicht in unserem Namen! Eure Zeit ist vorbei und eure Ideologie gehört auf die Müllhalde der Geschichte.“
Das Wunder des vergangenen Jahres war und bleibt für mich die Willkommenskultur: Millionen Menschen öffneten ihr Herz und halfen den Notleidenden, den Geflüchteten. Zwar habe ich trotzig manchmal beschworen, ich würde auch weiterkämpfen, wenn ich mit meiner Meinung ganz allein stünde. Aber es ist doch weitaus schöner, sich getragen zu fühlen von vielen ähnlich Gesinnten. Und die finden sich nicht nur im linken Spektrum. Unter den Helferinnen und Helfern sind Bürgerliche wie Arbeiter, Christen wie Atheisten, Prekäre wie Situierte, Hausmänner wie Straßenkehrerinnen… Ich bin nicht allein, das ist mein Trost. Danke, dieses Buch ist auch für Euch alle. Mag Pegida noch so zetern und hetzen – wir lassen uns von Rassisten nicht die Welt verdunkeln.

https://www.randomhouse.de/Buch/Dann-denkt-mit-dem-Herzen/Konstantin-Wecker/Guetersloher-Verlagshaus/e507553.rhd

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Liebe Freundinnen und Freunde,

Gerade wieder schrieb mir ein Kommentator, Fremdenfeindlichkeit sei eine idiotische Vokabel und man müsse doch diejenigen verstehen, denen das eigene Nest näher sei als das kulturell Fremde und fremdenfeindlich seien ja sowieso nur die wenigsten, halt Nazis und so.
Nun gut, ich zitiere nicht wörtlich, hab’s aber so verkürzt wiedergegeben, weil ich es immer wieder so ähnlich zu lesen bekomme.
Und ich halte diese Gesinnung für höchst bedenklich.
Erst gibt es nur die Angst vor dem Neuen, dem Anderen, dem Fremden – aber die kann dann, oft unmerklich, leise und verstohlen, schnell umschlagen in Feindlichkeit, auch in Hass und Gewalt. Die Beweise dafür erschlagen uns doch zur Zeit geradezu.
Dabei hat es uns Arno Gruen so trefflich gezeigt in seinem Meisterwerk „Der Fremde in uns“:
Es ist meistens der oder das Fremde in uns, das wir fürchten, vor dem wir fliehen, das wir verteufeln, verurteilen und züchtigen wollen.
Unter denen, die offen Schwule am meisten und am lautesten hassen oder sogar gewalttätig gegen sie werden, sind, wie viele Untersuchungen zeigen, viele, die ihre eigene, latente Homosexualität in sich selbst nicht zulassen wollen oder können.
Und war es nicht vor allem die Wahrhaftigkeit der „Hexen“, ihr wirklich religiöses Gespür für das natürliche Sein, ihre Spiritualität und ihre moralische Freizügigkeit – hat nicht genau das die verklemmten, patriarchalischen Hohepriester der Inquisition zur Verzweiflung getrieben und sie zu den scheußlichsten, meist sexuell motivierten Foltermethoden angestiftet?
Ach, es gibt tausende dieser Beispiele aus der Geschichte der Menschheit.
Oder nehmen wir zwei Beispiele von heute: die Angst Erdogans vor selbstbewussten Frauen spielt sicher eine nicht unerhebliche Rolle in seinem Kampf gegen selbstbewusste KurdInnen.
Oder Donald Trumps Mexikaner-Phobie:
Bei dieser Haarfrisur muss man doch alles bekämpfen was ungefärbt natürlich, schwarzhaarig und lockig ist.
(Verzeihung, aber bei dieser Witzfigur kann ich nicht ernst bleiben.)
Ich selbst musste, wie ich es hier auch schon einmal beschrieben habe, erleben, wie ich nur durch das Tragen einer SS Uniform, in dem Film „Wunderkinder“, den Faschisten in mir lauern sah. Wie ich mich schrecklicherweise identifizieren konnte mit dieser Rolle.
Denken wir immer an den Fremden in uns.
Erst wenn wir ihn entdeckt haben, ans Licht gezerrt, als uns zugehörig erkannt, können wir wieder klar und herzlich denken und fühlen.
Nur dann schlägt die Angst vor dem Fremden nicht um in Fremdenhass.
Ängstlich zu sein ist unser gutes Recht.
Deshalb blind um uns zu schlagen, können wir vermeiden.

Liebe Freundinnen und Freunde,

die Solidarität der griechischen Bevölkerung den Flüchtlingen gegenüber ist beispielhaft für den Teil Europas, der von einer krankhaften Fremdenfeindlichkeit erfasst worden ist.
Aber während die Türkei mit Milliardengeschenken bedacht wird, wird Griechenland wirtschaftlich systematisch zu Grunde gerichtet.
Die Folgen der Sparpolitik fressen sich immer tiefer in die Gesellschaft. Die Wirtschaft ist am Boden, Menschen leben auf der Straße. Von den jungen Leuten hat kaum noch einer einen bezahlten Job. Niemand hier hat von den internationalen Programmen auch nur einen Cent gesehen.
War es das was Sie wollten, Herr Schäuble? Nur weil Ihnen eine linke griechische Regierung nicht in den neoliberalen Kram passte?
Medikamente bekommen viele nur von Sozialkliniken. Sie behandeln die Menschen ohne Krankenversicherung kostenlos. Einheimische wie Flüchtlinge. Die Ärmsten helfen den Allerärmsten.
Gerade erst hat die Regierung neue Gesetze beschlossen – auf Druck der Gläubiger: Wer Steuern oder Hypotheken nicht zahlen kann, soll schneller als bisher auf der Straße landen. Doch der große Ausverkauf hat gerade erst begonnen.
Wann werden wir diesem pathologischen Wirtschaftssystem endlich Einhalt gebieten?
Die Politiker können es nicht.
Die meisten sind wohl wie der Agrarminister Christian Schmid, der das erbärmliche Abschlachten von ungefähr 50 Millionen Küken pro Jahr mit folgenden denkwürdigen Worten verteidigt:
„Bei einem Verbot würden die Brütereien in Deutschland schließen und ins Ausland abwandern.“
Na klar Herr Schmid,das kennen wir doch: wenn ich’s nicht mach, macht’s ein Anderer.
Schon mal was gehört davon, dass man auch aus ethischen Gründen etwas tun sollte, ohne den wirtschaftlichen Nutzen in die Waagschale zu werfen?
Die 14 griechischen Urlaubs-Airports mit dem größten Potenzial gingen in fremde Hände – nicht zuletzt unter deutschem Druck. Die anderen Flughäfen ohne Perspektive darf Griechenland behalten. Berater war die Lufthansa-Consulting. Und der Zuschlag ging an die deutsche Fraport. Dahinter stecken das Land Hessen, die Frankfurter Stadtwerke und die Lufthansa mit zusammen fast 60 Prozent. Und sie können sich gleich doppelt freuen. Denn sie tragen kaum ein Risiko – sagen Insider.
Ja, leider, das war es, was Ihr wolltet, Ihr Habgierigen.
Was bedeutet auch ein Mensch gegen eine wertvolle Ware.
Was bedeutet schon das Leid der arbeitslosen GriechInnen gegen die unbändige Lust am Geldraffen.
Das war es leider, was Ihr wolltet und immer wieder wollt, Ihr neoliberalen Soziopathen.
So schrieb schon Heinrich Heine in seinem Gedicht „Weltlauf“:

Hat man viel, so wird man bald
noch viel mehr dazubekommen.
Wer nur wenig hat, dem wird
auch das wenige genommen.
Wenn du aber gar nichts hast,
ach, so lasse dich begraben –
denn ein Recht zum Leben, Lump,
haben nur, die etwas haben.

Unser Konto von „Hinter den Schlagzeilen“, auf das Ihr unter dem Stichwort „GriechInnenhilfe“ spenden könnt:
Inhaber: IHW
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BIC: NOLADE21GOE
Näheres dazu auf unserer Website
hinter-den-schlagzeilen.de
unter
helfen-wir-den-menschen-in-griechenland

P.S:
Ich habe zitiert aus dem Beitrag der Sendung PlusMinus im ERSTEN
von
Antonios Beys und Gunter Moskau

http://hinter-den-schlagzeilen.de