Liebe Freundinnen und Freunde,

der junge österreichische Drehbuchautor und Filmemacher Bernhard Wohlfahrter hat eine beeindruckende Lyrikverfilmung meines Gedichtes von 1988 „Zigeuner ohne Sippe“ gemacht. Es ist fast erschreckend wie dieser dreißig Jahre alte Text in die heutige Zeit passt. Bernhards Film hat mir das wieder bewusst gemacht.
Der junge Mann ist 20 Jahre alt und hat schon eine beachtliche Filmografie aufzuweisen. Schnitt, Musik, Schauspieler – mir gefällt dieser kurze Film wirklich gut. Und ich denke, er hat es verdient geteilt zu werden.
Der Filmemacher schreibt:
„Der Film sollte als Aufforderung dienen, gewisse Systeme und Gesetze zu überdenken – deswegen auch die Einbindung des Textes von Konstantin Wecker, der ebenfalls zum Mitsprechen, Aufstehen und „Nein-Sagen“ auffordert…..
Diese Welt befindet sich momentan in einer stürmischen Zeit. Mit meinen Bildern versuche ich die Gesellschaft zu kritisieren: nämlich alle Mitläufer, die jedes System hinnehmen, in Reih und Glied allen noch so eigenartigen moralischen Gesetzen und Normen folgen und vielfach nur durch elektronische Medien kommunizieren.“
Wenn junge Menschen so denken, wagt man es wieder zu hoffen!
https://www.youtube.com/watch?v=PskSoadoAVM&feature=youtu.be

„Sophie (Anna Farthofer) lebt in einer Welt voller Menschen, die andauernd Zombiemasken tragen und anscheinend nur durchs Handy kommunizieren können. Sophie …

Liebe Freundinnen und Freunde,

das war knapp!!!
Ich bedanke mich bei den 2.254.458 Österreicherinnen und Österreichern, die ein Debakel verhindert haben.
Ein sehr, sehr knapper Sieg der Demokratie.
Das muss uns allen eine Warnung sein.
Wir müssen endlich aufwachen und uns bewegen.
Linkenchefin Katja Kipping sagt: »In Österreich kann man beobachten, was passiert, wenn die Sozialdemokratie nicht eindeutig klare Kante gegen Rechtspopulismus zeigt, sondern stattdessen den Rechtspopulisten Schritt für Schritt nachgibt.«
Es ist jetzt an uns, den anderen 50 Prozent klar zu machen, dass Nationalismus und Rassismus auf die Müllhalde der Geschichte gehören.

Liebe Österreicherinnen, liebe Österreicher,

Liebe Österreicherinnen,
liebe Österreicher,
in einem grossartigen und unbedingt lesenswerten Interview mit dem Kurier, antwortet der Literat Robert Menasse auf die Frage:

Es herrscht eine gewisse Angst – vor sozialem Abstieg. Und es gibt eine zunehmende Spaltung der Gesellschaft. Der Schriftsteller Thomas Glavinic bekam großen Zuspruch, als er auf Facebook davor warnte, FP-Wähler als „Nazis“ bezeichnen. Es können ja wirklich nicht alle Nazis sein.

„Mich langweilt diese Debatte. Ich frage Sie, was es für einen Unterschied macht, ob einer, der Nazis wählt, ein Nazi ist oder nicht. Hofer ist einer. Punkt. Man ist nicht in einer deutschnationalen Verbindung und man trägt keine Kornblume im Knopfloch und man trägt keine weißen Stutzen zur Tracht, wenn man kein Nazi ist. Denn wenn man das alles tut und wirklich kein Nazi ist, dann ist man ein Vollidiot. Also gut, Hofer ist kein Vollidiot. Sagen wir, er bekommt eine Million Stimmen. Wie nennen wir diese Stimmen? Wir nennen sie Stimmen für einen Nazi. Und ob die Wähler, die diese Stimmen abgegeben haben, sich selbst als Nazis bezeichnen oder als Patrioten oder als Volk oder als sonst irgendetwas, ist doch völlig unerheblich!
Dabei glaube ich sogar, dass die meisten keine Nazis sind. Ehrlich nicht! Sie sind Faschisten. Schlimm genug. Oder Idioten. Ebenfalls schlimm genug.“

Jahrzehntelang habe ich mich in Österreich über mein wunderbares Publikum gefreut. Weltoffen, gebildet, warmherzig und humorvoll.
Bitte, liebe FreundInnen aus Österreich, lasst nicht zu, dass dieser Rechtspopulist euer Präsident wird.

http://m.kurier.at/…/menasse-der-nationale-weg-…/200.120.984

Liebe Freundinnen und Freunde,

2015 wurden in Deutschland schätzungsweise 48 Millionen männliche Küken in der Legehennenproduktion getötet.
Geschreddert oder mit Kohlendioxid vergast.
Das verstößt nicht gegen das Tierschutzgesetz, so hat es das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen am Freitag in zweiter Instanz entschieden.
„Dem Verbot der Kükentötung stehen im Grundgesetz geschützte Interessen der Züchter entgegen“ heißt es und mir wird übel. Das ist ein brutaler Spiegel unserer Gesellschaft. „Geschützte Interessen“ der Wirtschaft sind wichtiger als Massenmord an Tieren.
Aber es kommt noch deutlicher:
Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) lehnt ein Verbot des Kükenschredderns zum jetzigen Zeitpunkt ab. Seine Meinung: „Bei einem Verbot würden die Brütereien in Deutschland schließen und ins Ausland abwandern“, sagt Schmidt. Dort würden Küken aber ebenfalls geschreddert.
Mit diesem Argument könnte man ja demnächst auch das Steinigen von untreuen Frauen zulassen. Die werden in manchen Ländern, mit denen wir gute Waffengeschäfte machen, auch geschreddert.
Abwanderung ins Ausland ist nun mal das Totschlagargument für jede Schweinerei bestimmter Firmen und Konzerne.
Aber sollte man nicht einmal damit anfangen, nach eigenem Wissen und Gewissen zu handeln, statt jegliche Ethik der Diktatur des Marktes zu opfern?
In was für einer Welt leben wir, die das Lebendige dem Toten opfert? Das Leben dem materiellem Gewinn?
Das ist es was ich meine, wenn ich eine Revolution fordere: keine Guillotine, kein kriegerischer Aufstand, sondern ein Aufstand des Geistes, des Bewusstseins. Eine Revolution der Zärtlichkeit.
Kauft keine Eier mehr von perversen Kükenkillern.
Lasst sie pleite gehen.
Es geht nämlich auch anders. Die meisten Biohöfe schützen männliche Küken und ziehen sie groß.

Liebe FreundInnen,

da ich gerade in einem Video über den standhaften Moschee – Bekämpfer Björn Höcke gesehen habe, dass er seine AfDler und Pegidisten „Liebe Freunde“ nennt, habe ich mich entschieden, ab jetzt nur noch „Liebe FreundInnen“ mit Binnenmajuskel zu schreiben.

Und dazu ein kleiner Höckerick:

Der den Islam gern aus Deutschland raus löcke:
wer soll das schon sein? Natürlich Björn Höcke.
Der angeblich wider den Stachel stets löcke:
wer kann das nur sein: schon wieder Björn Höcke.
Keine Moschee, die er nicht gern entpflöcke,
keiner schießt solche rhetorischen Böcke,
kleidet sich in demokratische Röcke,
obwohl er im braunen Gewand lieber stöcke –
gut wärs, wenn man beim Spiel dich verzöcke:
dann wär’n wir dich endlich los, Björn Höcke!

Liebe Freundinnen und Freunde,

aus der SPD kommen weitere Rufe, die Partei wieder stärker auf ihre sozialdemokratischen Wurzeln zurückzubesinnen. Im Magazin »Focus« sagte der langjährige SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel, »die SPD muss ihr Kernthema, nämlich die Verringerung der sich ausweitenden sozialen Kluft zwischen Arm und Reich, und damit den Grundwert der Gerechtigkeit in den Fokus ihrer Politik rücken und dabei auch den Unterschied gegenüber der Union deutlicher werden lassen«. Der langjährige Vordenker Erhard Eppler sagte, »die SPD, oder besser die europäischen Sozialdemokraten, müssen für ein schlüssiges Gegenkonzept zur marktradikalen Gesellschaft eintreten«.
Reichlich spät kommt diese Erkenntnis.
Ich bin kein Parteienforscher, aber meines Erachtens ist dieser gefährliche, die Demokratie unterwandernde Rechtsruck vor allem auch auf ein Versagen der europäischen Sozialdemokratie zurückzuführen. Natürlich kann man den Ganzen Spuk aus Pegida, AfD und Sarrazin-Kult nicht allein der fortschreitenden Entsozialdemokratisierung der SPD anlasten. Wäre dies der Fall, so könnten die »kleinen Leute« ja jetzt massenweise die Linke wählen, die ihre Interessen besser vertritt (was sie aber nicht tun). Da müssen auch andere Gründe in Erwägung gezogen werden: eine latente Neigung breiter Bevölkerungsschichten zu Fremdenfeindlichkeit z.B., die immer dann manifest wird, wenn »Überflutung« droht. Generell eine stets im Stand by-Modus befindliche Angst vor allem »Fremden«. Aber eine glaubwürdige, gut aufgestellte SPD, die die Sprache ihrer Wähler spricht, hätte das Schlimmste verhüten können.
Sigmar Gabriel will nun »die Herrschaft des Neoliberalismus beenden«, so war vor drei Tagen im »Neuen Deutschland« zu lesen. Er will die SPD wieder zur »Schutzmacht des normalen Arbeitnehmers« machen. Wie er das anstellen will und warum wir ihm das glauben sollen – darauf bleibt er uns die Antwort schuldig. Wer hat denn die Herrschaft des Neoliberalismus in Deutschland zur Vollendung gebrachte, wenn nicht die „Generation Hartz IV“ der SPD: Schröder, Müntefering, Clement und eben Gabriel.
Zu Recht kommentiert Oskar Lafontaine trocken: »Aber was für Schlüsse zieht Gabriel und mit ihm die SPD daraus? Was will Gabriel ändern? Und wie will er eine gerechtere Politik umsetzen?«
Ich habe auf meinen Tourneen aufrechte und anständige Frauen und Männer der SPD kennen gelernt, meist in kleinen Städten, Gemeinden, Fußvolk eben, keine großen Mitentscheider.
Und es tut mir weh zusehen zu müssen, wie die sich oft den Arsch aufreißen, um dann aus Berlin nichts als verarscht zu werden.
Ich habe nicht vergessen, wie wir »Willy, Willy« rufend auf der Straße standen. Man muss die Rolle Willy Brandts vielleicht im historischen Rückblick differenzierter sehen, aber eine Welle der Begeisterung für bestimmte Phasen der sozialdemokratischen Geschichte prägt wohl die politische Biografie der meisten, die sich heute „links“ positionieren. Und beinahe genau so groß ist die Zahl derer, die heute bitter enttäuscht sind. Ausnahmsweise beneide ich da sogar die Amerikaner, von denen nicht wenige heute ebenso begeistert »Bernie« rufen wie wir damals »Willy“. Und ja, liebe SPD, nicht nur Sarah Wagenknecht, auch ich wünsche mir innig, dass diese Partei nun endlich den Weg der britischen Labour-Partei geht oder den Weg eines Bernie Sanders in den USA.
Genossen – warum rebelliert ihr nicht? Ihr hättet schon aufschreien müssen, als Schröder mit der Agenda 2010 den »größten Sozialabbau in der deutschen Nachkriegsgeschichte« (Lafontaine) betrieb. Sozialdemokraten müssen auf der Seite der kleinen Leute stehen, unter Schröder standen sie auf der Seite des Kapitals.
»Die ehemaligen Großparteien – Sozialdemokratie und Christsoziale – haben sich fast überall in Europa wirtschaftspolitisch bis zur Ununterscheidbarkeit angenähert und vollziehen etwa auch in der Migrations- und Asylpolitik in weiten Bereichen frühere Forderungen rechter und rechtsextremer Parteien«, schreibt Klaus Werner -Lobo in seinem klugen Buch »Nach der Empörung«.
Und nun haben sich den sogenannten »kleinen Mann« die Rassisten und Populisten von der AfD geschnappt. Der wiederum ist dummerweise so blöd zu glauben, diese Partei stünde auf seiner Seite. Sie dient natürlich demselben Moloch wie mittlerweile fast alle: dem Shareholder Value des Finanzkapitalismus und seinen neoliberalen Propheten und Apologeten. (737 Shareholder üben die Kontrolle über 80 Prozent aller multinationalen Konzerne aus!) Es tut mir leid um die Sozialdemokratie, und wenn sich die SPD weiter marginalisiert durch Feigheit und Anbiederung an die Herrschaft des Marktes, an die Konzerne und die Großverdiener, werden wir ein ernstes Problem mit unserer Demokratie bekommen.
Eigentlich haben wir ja schon eines.
Völker hört die Signale – SPD-Mitglieder, wacht bitte auf und rauft euch endlich zusammen mit der Linken. Wir brauchen euch alle im Kampf gegen die drohende Faschisierung Europas

Liebe Freundinnen und Freunde,

(Admin) Ein Veranstaltungshinweis:
Kunst der Demokratie Spezial
Der Musiker und Schriftsteller Konstantin Wecker und der Direktor der Volkshilfe Erich Fenninger zu Gast bei Alfred J. Noll
Samstag, 4. Juni 2016, 19:30 Uhr
Großer Sendesaal des ORF
Argentinierstraße 30a
1040 Wien
Eintritt: frei
Anmeldung im Kartenbüro unter radiokulturhaus@orf.at
Der Musiker und Schriftsteller Konstantin Wecker und der Direktor der Volkshilfe Erich Fenninger zu Gast bei Alfred J. Noll.
OE1.ORF.AT