Liebe Freundinnen und Freunde,

wer sich fest im Besitz der Wahrheit glaubt, hat die Suche nach ihr nicht mehr nötig, hat nicht mehr das Bedürfnis, sich mit Andersdenkenden auszutauschen, dem anderen zuzuhören, sich inspirieren zu lassen, mit seinen Argumenten mit zu fühlen.
Wer die absolute Wahrheit gefunden hat, hat sie schon verloren.
Uns bleibt zeitlebens nur die Suche nach ihr.
Darum sei allen Chefideologen und Religionskriegern, Nationalisten und Bibeltreuen, in festen Welt- und Religionsbildern erstarrten und geistig unbeweglichen Isten und Istinnen ein Zitat Lessings ans Herz gelegt, das mir kürzlich in die Hände fiel:
„Nicht die Wahrheit, in deren Besitz irgendein Mensch ist oder zu sein vermeinet, sondern die aufrichtige Mühe, die er angewandt hat, hinter die Wahrheit zu kommen, macht den Wert des Menschen. Denn nicht durch den Besitz, sondern durch die Nachforschung der Wahrheit erweitern sich seine Kräfte, worin allein seine immer wachsende Vollkommenheit bestehet. Der Besitz macht ruhig, träge, stolz-
Wenn Gott in seiner Rechten alle Wahrheit und in der Linken den einzigen immer regen Trieb nach Wahrheit, obschon mit dem Zusatze, mich immer und ewig zu irren, verschlossen hielte und spräche zu mir :wähle! Ich fiele ihm mit Demut in seine Linke, und sagte: Vater gib! Die reine Wahrheit ist ja doch nur für dich allein!“
P.S.:
Ich würde mich wie Lessing entscheiden, denn wie könnte ich je die Rechte wählen:)

G.E. Lessing, „Eine Duplik“(1778)

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