WIR FORDERN TATEN STATT LEERER WORTE

WIR FORDERN TATEN STATT LEERER WORTE

30.10.2016

Liebe Freundinnen und Freunde,

am 1. August 1914 schrieb Romain Rolland, einen Tag nach der Ausrufung des Kriegszustandes in Deutschland, in sein Tagebuch:
Wenn man wie wir zu jedem Rassenhass unfähig ist, wenn man das Volk, das man bekämpfen soll, ebenso achtet wie das Volk, das man verteidigt, wenn man den verbrecherischen und stumpfsinnigen Wahnsinn dieses Krieges sieht und wenn man in sich eine Welt des Denkens, der Schönheit und Güte fühlt, die sich entfalten will, ist es dann nicht das Entsetzlichste, gezwungen zu sein, diese Welt aus einem grässlichen Grunde zu morden?
(Der von deutschen wie französischen Kriegstreibern gehasste Rolland war, zusammen mit Stefan Zweig, einer der ganz wenigen Dichter, die der nationalistischen Massenhysterie vor dem 1. Weltkrieg Widerstand leisteten.)

Die überwältigende Mehrheit der Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen hat am 27. Oktober in New York die Aufnahme von Verhandlungen über ein Atomwaffenverbot beschlossen. Im UN-Hauptausschuss für Abrüstung stimmten 123 Staaten dafür, bereits für März 2017 eine entsprechende UN-Konferenz einzuberufen. 38 Staaten – angeführt von den USA und Russland – stimmten dagegen. Zu ihnen gehören fast alle NATO-Staaten inkl. Deutschland. 16 Staaten, darunter China, enthielten sich der Stimme. Die Endabstimmung in der UN-Generalversammlung steht noch aus, wird aber an diesem Votum kaum etwas ändern.
„Das Abstimmungsergebnis kommt einer abrüstungspolitischen Revolution gleich. Noch nie haben es die atomwaffenfreien Staaten gewagt, die Atomwaffenstaaten und ihre Alliierten in einer solchen Frage zu überstimmen“, erklärte Sascha Hach, deutscher Sprecher der internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) und fügte hinzu, die Ablehnung Deutschland sei „eine Schande“.
Die Heuchelei der Bundesregierung, die mit Lippenbekenntnissen eine Welt ohne Atomwaffen befürwortet aber mit den Hardlinern in der NATO gegen Verhandlungen für die Ächtung und Abschaffung der Nuklearwaffen stimmt ist kaum noch zu überbieten.

Wir fordern Taten statt leerer Worte. Wir bitten Euch deshalb die Petition „Atomwaffen-Stationierung in Deutschland beenden!“ tatkräftig zu unterstützen. Hier könnt Ihr online unterschreiben und Eure Freunde und Bekannten bitten, ebenfalls die Petition zu unterzeichnen: https://weact.campact.de/…/beenden-sie-die-stationierung-de…

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Liebe Freundinnen und Freunde

Im Juli letzten Jahres hatte ich die große Ehre, im Garten der Konzerthalle Megaron in Athen zum 90. Geburtstag von Mikis Theodorakis ein Lied zu singen, natürlich ein Lied aus der Feder des Meisters, zusammen mit zwei Sängerinnen aus Israel und Griechenland. Theodorakis ist inhaftiert, gefoltert, verbannt worden und hat dennoch nie aufgegeben, nie aufgehört, gegen Faschisten und Putschisten zu rebellieren, seine Stimme zu erheben und uns vor allem, allen mit seiner wunderschönen Musik Mut zu machen. Wie er mir einmal persönlich sagte, bedauerte er am Alter einzig, keine Zeit mehr zu haben für die viele Musik, die noch in ihm klingt.

Aus der Tournee „Ohne Warum“, aufgenommen am 6.4.2016 im UdK Berlin. Gesang: Konstantin Wecker, Klavier Johannes Barnikel, Cello Fany…

Liebe Freundinnen und Freunde,

Liebe Freunde,
ich habe mich in den letzten Tagen hauptsächlich mit meiner Tour, meinen wunderbaren Musikern und meinem großartigen Publikum beschäftigt.
Aber nun platzt mir der Kragen.
Der wallonische Regierungschef Paul Magnette verbat sich ein »Ultimatum« der EU, die am Montag mit Kanada über die Unterzeichnung von CETA entscheiden will. Die Festlegung einer solchen Frist sei »unvereinbar mit dem demokratischen Prozess«, erklärte er.
Und die Leitmedien drehen durch:
„Ein Schritt zur Zerstörung der EU“ „In Geiselhaft der Wallonen“ „Der Möchtegern Asterix“ – federführend Herr Markus Becker von Spiegel ONLINE aus Brüssel.
Herr Becker, die von ihnen geschmähten Globalisierungskritiker sitzen nun mal nicht mit einem sicheren Redakteursposten in Brüssel, sondern sie haben Angst, dass die Konzerne ihr mieses Geschäft der Prekarisierung des größten Teils der Menschheit weiter betreiben.
Diese Menschen haben auch keine Lust Lobbyarbeit zu betreiben. Sie lassen sich nicht durch Taschenspielertricks das Wort Demokratie von den Füssen auf den Kopf stellen und werden auch nicht einen endlich mal aufmüpfigen Sozialdemokraten als Möchtegern Asterix beschimpfen.
Wes Brot ich ess, des Lied ich sing, mehr braucht man dazu wohl nicht zu
Ein Schritt zur Zerstörung der EU? Die Führung der EU versucht, Europa den Profitinteressen der Konzerne freizugeben. Und DAS zerstört Europa.
Sahra Wagenknecht meint, wenn es in der EU »zu Widerstand kommt, Konzernen noch mehr Vorrechte einzuräumen oder ihnen uneingeschränkte Vorfahrt zu gewähren, dann wird der selbstherrliche Machtzirkel der Lobbykratie-EU plötzlich sehr aktiv«. Sie findet es »verwerflich«, dass dabei auch die Bundesregierung »ganz vorne mit dabei ist.“
Und ich finde es traurig, dass Herr Schulz und Herr Gabriel sich einmal mehr als Totengräber der Sozialdemokratie beweisen.
Wir erinnern uns:
Der Bundestag hat gegen die Stimmen von Grünen und Linken die Regierung ermächtigt, der vorläufigen Anwendung zuzustimmen.
Und nun zeigen uns die Wallonen, wie Demokratie geht.
Die angeblichen wirtschaftlichen Vorteile, die CETA bringen soll, sind natürlich leere Versprechungen und kein bisschen bewiesen.
Es ist wie mit dem berühmten Satz:
Steuererleichterungen der Unternehmer kommen den Arbeitnehmern zugute.
Eine dreiste Lüge, die seit Jahren immer wieder wie eine in Stein gemeisselte Wahrheit verkündet wird.
Einer Studie der Tufts University im US-Bundesstaat Massachusetts zufolge könnte CETA in der EU bis zu 230.000 und in Kanada bis zu 80.000 Arbeitsplätze kosten. So heißt es in einer Expertise über mögliche Auswirkungen des Abkommens. Die Grundannahme: Wirtschaftssektoren, die plötzlich internationalen Druck und Wettbewerb ausgesetzt sind, schrumpfen schneller, als dies vom Wachstum anderer Sektoren aufgefangen werden kann.
Sehr richtig heißt es im neuen Deutschland: Neben der Wallonie, die sich zuletzt besonders deutlich gegen CETA positioniert hatte, lehnen auch die Regionalregierung der Hauptstadtregion Brüssel und die französischsprachige Gemeinschaft das Handelsabkommen ab.
„Wichtig bleibt aber auch, den politischen »Geist« zu hinterfragen, mit dem die Befürworter Stimmung für das Abkommen machen: Wenn es der Wirtschaft nützt, nützt es auch den Menschen. Interessenkonflikte, klassenpolitische und solche zwischen einzelnen Volkswirtschaften und Kapitalfraktionen, werden so in einem gesellschaftlichen »Wir« eingeebnet, das eine politisch gewollte Fiktion ist“ (neues deutschland)
Neben der Wallonie, die sich zuletzt besonders deutlich gegen CETA positioniert hatte, lehnen auch die Regionalregierung der Hauptstadtregion Brüssel und die französischsprachige Gemeinschaft das Handelsabkommen ab.
Weiter so!

Lieber Bob Dylan,

unter Literaten ist umstritten, schreibt der SPIEGEL, ob du den Preis zu Recht erhältst. Der Schotte Irvine Welsh („Trainspotting“) sagte, er sei ein Fan von Dylan, aber die Entscheidung des Preiskomitees sei unausgereifte Nostalgie alter Hippies. Der verstorbene Schriftsteller Norman Mailer hatte einst bereits gesagt: „Wenn Dylan ein Dichter ist, bin ich ein Basketball-Spieler.“
Das ist schlichtweg Quatsch.
Dylan ist natürlich ein Dichter, ein Poet, der seine Gedichte singt und damit viel mehr Menschen erreicht hat, als wenn er sie nur in Gedichtbändchen veröffentlicht hätte.
Und was, werter Herr Welsh, ist an alten Hippies auszusetzen? Und was darf ich mir unter einer ausgereiften Nostalgie vorstellen?
Wären Ihnen junge Yuppies lieber im Preiskomitee?
Ich hoffe, einigen „Kunstkennern“ geht durch diese kluge Entscheidung ein Licht auf.
Literatur ist nicht deshalb in der Welt damit Sprachwissenschaftler eine Aufgabe haben, und Lyrik ist die zum Spiel der Lyra gehörende Dichtung.
Dylan ist Lyriker – und nur weil er auch musiziert und weltberühmt ist kein schlechterer als andere.
Einmal bin ich dir persönlich begegnet. Ich sang vor deinem Konzert im Olympiastadion mit Joan Baez ein paar Lieder.
Ich gratuliere von Herzen, Bob Dylan.

GEFRORENES LICHT (FÜR HANS-PETER DÜRR)

GEFRORENES LICHT (FÜR HANS-PETER DÜRR)

10.10.2016

Liebe Freunde,
Dieses Lied ist meinem im Mai 2014 verstorbenen Freund Hans-Peter Dürr gewidmet.
Es ist lange her, dass ich dem großen Physiker zum ersten Mal etwas länger und sozusagen privat begegnen durfte. Es war bei einer Veranstaltung des IPPNW – die internationalen Ärzte zur Verhütung des Atomkriegs. Er sprach dort, ich sang und anschließend hatten wir etwas Zeit, weil jeder auf seinen Anschlusszug warten musste. Ich war nervös und verschüchtert, sein Vortrag hatte mich stark beeindruckt und ich wollte so vieles fragen, hatte aber ganz schön Bammel davor, als Laie mit dem großen und bewunderten Wissenschaftler über Physik zu reden.
Es wurde diese Stunde eine der eindrucksvollsten Stunden meines Lebens und der Beginn einer Freundschaft.
Selten hat mir jemand so schnell die Scheu genommen, mich in sein Herz geschlossen und noch nie hat mir ein Wissenschaftler so leidenschaftlich das Gefühl vermittelt, dass seine Wissenschaft kein Geheimwissen sei, das er nur mit einigen Kollegen zu teilen gedenke, sondern dass seine Erkenntnisse den Menschen, allen Menschen geschenkt werden sollen.
Er kam mir vor wie ein Pianist, dem unverständlich scheint, dass irgendjemand dieses Instrument nicht beherrscht.
Es waren wahre Gedankenfluten, die sich über den erstaunten Zuhörer ergossen und immer war die Liebe zum Lebendigen, zum Leben, zu den Menschen der Quell aus dem sie flossen.
Unvergessen als er einem jungen, etwas vorlauten Journalisten verschmitzt die Antwort gab:
„Junger Mann, im Gegensatz zu Ihnen, weiß ich, dass es Materie gar nicht gibt.“
Die Idee der Materie als „Gefrornes Licht“ ist einem Satz von ihm zu verdanken, den er mir einmal eher beiläufig gesagt hat:
„Konstantin, eigentlich ist Materie ja nichts Anderes als gefrorenes Licht…“
Danke mein Freund.

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Konstantin Wecker: Gefrorenes Licht (für Hans-Peter Dürr) live in Berlin am 6.4.2016

Aus der Tournee „Ohne Warum“, aufgenommen am 6.4.2016 im UdK Berlin. Gesang: Konstantin…

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