Liebe Freundinnen und Freunde,

c auch weiterhin auf den oft belächelten Weg der Hilfsbereitschaft begeben, all den hunderttausenden Helferinnen und Helfern, all den engagierten und warmherzigen Mitmenschen, all den vom Hass des letzten Jahres Nichtinfizierten, möchte ich einen Satz Martin Bubers mit auf ihren so wichtigen Weg geben, der mir mittlerweile ein Anker geworden ist im aufgepeitschten Meer:
„Erfolg ist kein Name Gottes“.
Wir müssen lernen, auch im eigenen Inneren den so genannten Werten einer konsum- und gewinnfixierten, den wirtschaftlichen Zugewinn wie einen Götzen anbetenden erfolgsgeilen Gesellschaft zu widerstehen.
(Wie gerne sähe ich Bubers Satz als Banner über der Wall Street…)
Je weniger wir uns abhängig machen von der Hoffnung auf Erfolge, um so mehr werden wir uns auf den Wert und das Richtigsein unserer Arbeit konzentrieren. (Thomas Merton)
Ich weiß nicht, ob wir den ganzen Wahnsinn aufhalten können, dieses aus den tiefsten Grüften der Unvernunft von gewissenlosen Populisten wieder erweckte völkische, nationalistische, rassistische, kleingeistige und zutiefst inhumane Gespenst. Ein Rückschritt in dunkelste Zeiten, der uns als Fortschritt verkauft werden soll.
Aber wir werden es versuchen.
Ich bewundere alle, die gerade jetzt Mut zu einer humanistischen und radikal demokratischen Haltung haben.
Und darum geht es doch: um den aufrechten Gang in einer gebückten Welt.
Wem Martin Bubers Satz zu religiös erscheint, den möchte ich daran erinnern, dass auch das Wort Gott nur ein Symbol ist. Ein zweifellos missbrauchtes – aber ein Symbol.
Das lehrt uns die Poesie und das ist das wunderbare an Gedichten, dass sie sich ändern mit jeder Phase deines Lebens, dass mit jeder neuen Erfahrung eine andere Seite beleuchtet wird, ein anderes Wort zum Klingen kommt, eine anderer Satz wichtig wird, obwohl die Worte dieselben bleiben.
Nichts ändert sich und doch wird alles anders.
Und deshalb glaube ich auch an die Poesie als Mittel zum Widerstand.
Immer schon haben die Mächtigen versucht, die Deutungshoheit über die Worte zu erlangen, ihre Interpretation zu bestimmen und uns zu diktieren.
Gerade die Verrückt-heit der Poesie bringt uns wieder dazu, scheinbar für alle Zeiten fest Gefügtes neu zu betrachten, neue Wege zu erforschen, nicht im Althergebrachten zu ersticken.
Um eine neue Welt zu erschaffen, brauchen wir auch ein neues Denken, und da die Worte dieselben bleiben, müssen wir den Mut haben, sie neu zu deuten, zu interpretieren, in neue Zusammenhänge zu stellen.
Dorothee Sölle schreibt: „Das letzte Kriterium der Beteiligung an widerständigem, solidarischen Verhalten kann nicht der Erfolg sein, das hieße immer noch, nach der Melodie der Herren dieser Welt zu tanzen.“
Also,Freunde, lasst uns im neuen Jahr weiterhin unsere eigenen Melodien singen und pfeifen wir auf die Herren dieser Welt.
Mit POESIE UND WIDERSTAND!

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